Lokführerausbildung SBB Personenverkehr

Fragestellung

Die Schweizerischen Bundesbahnen stehen vor der Herausforderung, in den nächsten Jahren zahlreiche neue Stellen als Lokführer/in zu besetzen. Die SBB ist darauf angewiesen, dass die neuen Lokführer/innen ihren Beruf möglichst rasch und professionell ausüben können. Daher sollte die Lokführerausbildung durchdacht und vor allem kompetenzorientiert ausgearbeitet werden. Es wurde das Ziel gesetzt, eine qualitativ hochwertige, effiziente Ausbildung zu erarbeiten, welche die angehenden Lokführer/innen bestmöglich auf den Berufsalltag vorbereitet. Die zentrale Frage dabei lautete: Wie muss eine Ausbildung zum Lokführer/zur Lokführerin gestaltet sein, die einen raschen und nachhaltigen Kompetenzaufbau ermöglicht?

Vorgehen

  1. Erhebung der Kompetenzen eines Lokführers / einer Lokführerin anhand einer umfassenden Bildungsbedarfsanalyse
  2. Erarbeitung eines didaktischen Konzeptes zur Steuerung der schulischen und betrieblichen Bildung
  3. Erarbeitung von Schulungsunterlagen, welche die optimale Vermittlung der definierten Kompetenzen sicherstellen
  4. Erarbeitung betrieblicher Ausbildungselemente, die das Lernen in der Praxis ermöglichen und die Integration in das Unternehmen SBB unterstützen
  5. Schulung der Verantwortlichen für die betriebliche Ausbildung
  6. Erarbeitung eines auf die Kompetenzen abgestimmten Prüfungskonzeptes und Entwicklung der entsprechenden Prüfungsinstrumente
  7. Schulung der Prüfungsexpert/innen
  8. Regelmässige Evaluation und Optimierung

Ergebnisse/Produkte

Kompetenzprofil Lokführer: Alle Arbeitssituationen und Kompetenzen eines Lokführers/einer Lokführerin bei SBB Personenverkehr wurden in einem Kompetenzprofil abgebildet.

Ausbildungskonzept: Ausgehend von den Kompetenzen wurden in einem Ausbildungskonzept die Elemente der schulischen und betrieblichen Ausbildung sowie die Prüfungen abgebildet.

Uebersicht_klein

Ausbildungs- und Prüfungsinhalte: Für die Bereiche Schule, Betrieb und Prüfung wurden entsprechende Inhalte bzw. Instrumente erarbeitet. Durch eine konsequente Ausrichtung auf die Kompetenzen wurde ihre Kompatibilität sichergestellt.

Kompetenze_websiteGr.

 

 

 

 

 

 

 

 

Instrumente für die Ausbildung:

  • Vor- und Nachbereitungsaufträgen
  • Inputs
  • Trainings und Anwendungen
  • Reader
  • Memo Cards
  • Tagesprogramme etc.

Login-Unterlagen

Instrumente für Prüfungen:

  • praktische und theoretische Prüfungsaufgaben und Bewertungsinstrumente

Instrumente für den betrieblichen Lernprozess:

  • Onboardinginstrumente
  • Instrumente für das Mentoring (Gesprächsleitfäden, Drehbücher, Massnahmenpläne etc.)
  • Praxisaufträge
  • Instrumente für den Erwerb von Strecken-, Knoten- und Bahnhofskenntnissen sowie den Erwerb von Routine etc.

Onboarding

Um die Integration der angehenden Lokführer/innen in das Unternehmen SBB von Beginn der Ausbildung an zu fördern, wurde ein entsprechendes Onboarding konzipiert. Den Teilnehmenden werden auf einer Lernplattform die 2 Lernwelten „Portrait der SBB“ und „Berufsbild Lokführer/in“ bereitgestellt. Anhand von Artikeln, Videos, Links sowie unterschiedlichen Aufgabenstellungen setzen sie sich selbstgesteuert mit ihrer zukünftigen Arbeitgeberin sowie dem Beruf des Lokführers/der Lokführerin auseinander. Über entsprechende Foren haben sie die Möglichkeit sich auszutauschen.

01_Website_Lernwelten_SBB

In 2 Manualen ist das wichtigste Grundlagenwissen zu den beiden Themen zusammengefasst.

01_Reader_Lf

Gewonnene Erkenntnisse

Eine Herausforderung in diesem Projekt war der nachhaltige Aufbau von Erfahrungswissen und Routine bei den neuen Lokführern und Lokführerinnen. Die Ausbildung musste so konzipiert werden, dass schulische Kenntnisse unmittelbar mit betrieblichen Abläufen verknüpft und in der praktischen Anwendung geübt werden können. Hierfür galt es entsprechende Transferinstrumente zu erarbeiten. Die Teilnehmenden werden heute durch Praxisaufträge, regelmässige Reflexion und eine enge Begleitung durch den/die Ausbildungsbegleiter/in Lokpersonal (ABL) in ihrem Lernprozess unterstützt.

Eine zweite Herausforderung lag in der konsequenten Vernetzung zwischen Schule, Betrieb und Prüfung im Sinne von regelmässigen Standortbestimmungen. Auch in Zukunft stellen diese Standortbestimmungen eine hohe Anforderung an das Entwicklerteam und machen eine Standardisierung von Entwicklungsprozessen erforderlich.