Kompetenzen modellieren nach Bedarf

Die Entwicklungen zeichnen sich in unseren Wirtschaftssystemen durch eine hohe Dynamik, Schnelligkeit und vor allem durch einen kontinuierlichen Wandel aus, welche sich zum Beispiel in den Begriffen ‹Globalisierung›, ‹Digitalisierung› oder ‹Technisierung› manifestieren. Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die Berufsbildung gefordert ist, diese Entwicklungstendenzen und veränderten Rahmenbedingungen entsprechend zu berücksichtigen. Die Bildungsbedarfsanalyse stellt den ersten Schritt im Rahmen des Kernprozesses einer Bildungsinstitution bzw. einer innerbetrieblichen Ausbildungsabteilung dar und dient dem Einstieg in die Bildungsplanung. Verfolgt man den Anspruch, arbeitsmarkt- bzw. praxisorientierte Bildungsmassnahmen zu konzipieren, so ist das der Moment, um der Praxis das Wort zu geben. Im Rahmen der Bildungsbedarfsanalyse gilt es, die vorherrschenden und zukünftigen Praxissituationen und die darin enthaltenen Herausforderungen möglichst genau zu beschreiben, um die entsprechenden Bildungsangebote ableiten zu können. Die Frage, die sich dabei stellt, ist die Frage nach der geeigneten Methode bzw. Vorgehensweise. Spricht es doch für sich, dass Stoffkataloge oder klassische Lernzielkataloge nicht die passenden Instrumente sind, um die Praxisanforderungen in ihrer Gesamtheit abzubilden. Je nach Fragestellung und Planungsobjekt (z. B. innerbetriebliche Ausbildung, Erstellung eines Rahmenlehrplans einer Höheren Fachschule, Strukturierung eines ganzen Berufsfeldes) stehen verschiedene Verfahren zur Bildungsbedarfsanalyse zur Auswahl. Der gemeinsame Nenner dieser Verfahren ist die Befragung der Praxis, die Art des Vorgehens kann variieren. Ziel ist es, die Anforderungen der praktischen Berufsausübung möglichst genau zu erfassen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und somit das Anspruchsniveau einer Tätigkeit oder eines Berufsfeldes festzulegen. Eine der grossen Schwierigkeiten in diesem Prozess stellt die Darstellung der Vielfältigkeit der Praxis und die Reduktion der Komplexität der Anforderungen dar – ein methodisches Vorgehen ist gefragt! Schlagworte wie Berufsfeldanalyse, Anforderungsanalyse, Arbeitsplatz­analyse werden in diesem Kontext genannt. Ein mögliches methodisches Vorgehen und die theoretischen Hintergründe dazu werden in der Folge aufgezeigt. Wir freuen uns, wenn Ihnen das Manual Anregungen und neue Erkenntnisse zum Themenbereich «Kompetenzdefinitionen im Rahmen der Bildungsbedarfsanalyse» bietet.